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Stammtischbericht vom 27. Mai 2021
Was ist artgerechte Menschenhaltung?

Auf Einladung von IG-Mitglied Ing. Bernd Strahammer vom gleichnamigen Holzbauunternehmen durfte ich meine Vorstellung von artgerechter Menschenhaltung präsentieren und anschließend mit den anwesenden 16 Holzbaumeistern diskutieren.


Natürlich gibt es nicht die „eine“ ideale Art von Behausungen für Menschen. Aber es gibt psychosozial und humanökologisch bekannte Grundlagen, welche Qualitäten zuträglich sind. Dazu gehören bekanntermaßen Sicherheit, Platz, Privatsphäre, Naturkontakt, gutes Raumklima und soziale Kontaktmöglichkeit. Offensichtlich erfüllen viele städtische Wohnungen diese Minimalanforderungen nicht ausreichend. Jeder 10. Wiener hat einen Zweitwohnsitz, in NÖ gibt es fast 290.000 Nebenwohnsitze, der Ort Semmering hat eine Nebenwohnsitzquote von über 70%. (Statistik Austria)

Dass diese Situation teuer, energie- und ressourcenvergeudend, flächenverbrauchend, unökologisch und unsozial ist, liegt auf der Hand. Deshalb kann die Lösung nur sein, bessere, also menschengerechtere Architektur bereit zu stellen. www.wienerzeitung.at/nachrichten/chronik/wien-chronik/2064053-Hilfe-die-Wiener-kommen.html

In der anschließenden Diskussion ging es dann mehr um das Verhältnis von Zimmerer und Architekt. Natürlich gibt es den Künstler-Architekten, der sich vom Praktiker nichts sagen lassen will. Ebenso gibt es aber auch den fantasielosen Zimmerer, der die innovativen Ideen des Architekten torpediert. Misstrauen ist das Ergebnis, dem wir gerade bei solchen Events wie dem Zimmerer-Stammtisch entgegen wirken konnten.

Denn jeder Zimmerer kennt auch Architekten, die vernünftig sind, den Holzbaumeister als kongenialen Partner sehen, sich auch gerne etwas sagen lassen, und auf der Baustelle wenn überhaupt gesehen, nicht den Besserwisser spielen. Auf meine Frage, ob die Zimmerer einige Architekten nennen könnten, mit denen sie gerne zusammen arbeiten würden, hatten diese kein Problem damit.

Und es stimmt natürlich, dass Architekten und Zimmerer auf der selben Seite stehen. Der Kunde beider ist im Regelfall anspruchsvoll und sucht nach individuellen Lösungen. Industrielle Massenware interessiert weder Zimmerer noch Architekt. Die nötige Beratung dieser Kunden und die Abstimmung der Gewerke untereinander und mit dem Bauherrn ist klassische Architektenarbeit, über die manche Zimmerer doch sehr froh sind. Und die umfassende Haftung des Ziviltechniker-Architekten hilft dem Zimmerer seinen Job in Ruhe machen zu können.

So entstand an diesem Abend ein Gefühl der Verbundenheit im Wunsch gute und saubere Arbeit zu liefern und sich nicht vor Gericht als Gegner gegenüber zu stehen. Dieses Ziel hat der Zimmerer-Stammtisch gebracht. Ich hoffe, dass hier eine dauerhafte Möglichkeit des Austauschs zwischen Planern und Ausführenden aber auch den Gewerken untereinander entstehen kann. 

Architekt DI Heinrich Schuller

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last update 03.12.2021