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2. bis 4. März 2017
Rückschau: NEULAND in Wels - innovative gebäude auf der größten Baufachmesse Österreichs

Wer es nicht glaubt, liest nach. 94.000 Besucher waren in Wels, um sich über die neuesten Trends zu informieren und sich beraten zu lassen. Die Plattform Innovative Gebäude war mit einem eigenen Stand vertreten. Das Vortragsprogramm war gut besucht und die Berater am Stand hatten einiges zu tun. Besonders spannend war der Kongress NEULAND am 1. März, organisiert von Markus Regensburger von der IG Passivhaus Tirol.

Neues Denken – Mythen und Fakten über unser Gehirn

Den Anfang machte Prof. Roland H. Grabner vom Grazer Institut für Psychologie. Entgegen dem gängigen Mythos, dass wir nur 10% unseres Gehirns nutzen, zeigte er, dass unser Gehirn vor allem durch Übung effizienter wird. Wer hätte gedacht, dass effizientere Gehirne weniger Energie brachen. Auch mit dem zweiten Mythos – Gehirnjogging macht intelligenter – räumte Grabner auf. Man kann zwar durch Übung in bestimmten Bereichen besser werden, die Intelligenz steigert man dadurch jedoch nicht. Auch den dritten Mythos, jener dass wir die beiden Gehirnhälften besser vernetzen müssen, entlarvte der Professor als Unsinn. Was vernetzt werden muss, ist das Wissen durch kreative Methoden der Problemlösung, als ganzheitliches Denken.

Energierevolution statt verkorkster Energiewende

Mit harten Fakten über die klimatischen Auswirkungen unserer hochtechnisierten Zivilisation überzeugte Prof. Dr. Volker Quaschning der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Berlin. In den letzten 20.000 Jahren stieg die mittlere Erdtemperatur um 3,5 Grad und der Meeresspiegel um 100 Meter. Also alles kein Problem. Mitnichten. Bis zum Jahr 2100 wird die Temperatur um etwa 5 Grad steigen und der Meeresspiegel um etwa 60 Meter. Um den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen, muss der CO²-Ausstoss bis zum Jahr 2040 auf NULL gesenkt werden. Nichts anderes als ein radikaler Umbau unserer Gesellschaft. Einen Hinweis darauf, dass das möglich ist, sieht Quaschning in der weltweiten Einführung einer völlig neuen Technologie, nämlich der Mobiltelefonie, die einen ähnlichen Wandel unserer Gesellschaft erzeugte.

Wie dämmen wir in Zukunft?

Mit dieser Frage konfrontierte Dr. Eva Günther von der BASF Construction Solutions GmbH die über hundert Gäste des Kongresses. Erwartbar, dass Sie neue Entwicklungen auf Basis von Aerogel wie SLENTEX oder SLENTITE oder innnovative Fertigungsmethoden wie CPC-Elemente präsentierte. Im Gegensatz zu einigen Menschen, die Wärmedämmung immer noch als Dämmwahn bezeichnen, war sich das Publikum einig, dass wir Hochleistungsdämmstoffe auf natürlicher Basis in Zukunft dringend brauchen.

Dicke Luft in der Wohnung?

Roger Waeber dipl. Natw. ETH schärfte den Blick für gesunde Raumluft und die gesundheitlichen Auswirkungen mangelnder Luftqualität. Anhand von Messdaten zeigte er, wie schlecht die Luft bei mangelnder Lüftung werden kann und wo die Grenzen der händischen Fensterlüftung liegen. Seine Empfehlungen: 1) Vermeidung von Schadstoffquellen durch entsprechende Materialwahl und Bauweise, 2) Erstellung eines Lüftungskonzeptes. Hier ist die mechanische Lüftung im Vorteil, weil gezielt und energiesparend automatisiert gelüftet werden kann. Und 3) Ausführung und Betrieb von Lüftungsanlagen nach Hygienerichtlinien.

Klaus Kada und der Dämmwahn

Spannend waren auch die Vorträge zum Optimierungspotential der Energieversorgung von Gebäuden von Prof. Christian Heschl sowie zum Thema Responsive Cities von Prof. Gerhard Schmitt und die Reflexionen von Prof. Klaus Kada über Architektur und Energiepolitik. Seine Aussagen irritierten das Publikum zuerst, da er offensichtlich ein Problem mit den heutigen Ansprüchen an Wärmedämmung hat. Das von ihm präsentierte Projekt „Wohnzimmer Sonnwendviertel“ stellte sich allerdings als städtebaulich, bautechnisch und architektonisch sehr hochwertig heraus. Ob der vom Bauträger behauptete Passivhausstandard wirklich zutrifft, wurde allerdings mehrfach unter vorgehaltener Hand geleugnet. Somit ging der spannende Tag in eine abschließende Podiumsdiskussion über, in der die Verantwortung für eine zukunftsfähige Baupolitik bekräftigt wurde.

DI Heinrich Schuller
creative director
ATOS ARCHITEKTEN
Architektur mit Leib und Seele

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last update 20.08.2017