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März 2017, Presseinformation
FREIE FAHRT FÜR GANZHEITLICHE GEBÄUDE

Die Zukunft des Bauens wird gerade sehr divergent diskutiert. „Leistbarkeit kontra Qualität“ lautet das angebliche Match. Das Spektrum der Lösungen, von smarten Minilofts für Single-Nomaden über leistbares (billiges) Wohnen für Anspruchslose, über betreutes Wohnen mit hoher sozialer Qualität bis zu energieeffizienten oder ökologisch optimierten Gebäuden, zeigt aber schon, dass es nicht entweder leistbar oder hochwertig heißt. Eines ist sicher. Angesichts des zwingenden Wandels der Wirtschaft werden Gebäude in Zukunft jedenfalls an Ihrer Ganzheitlichkeit zu bewerten sein.

Die Plattform Innovative Gebäude hat mit dem großen Erfolg der BAURETTUNGSGASSE auf der vergangenen Wiener Bau-Messe gezeigt, dass zukunftsfähiges Bauen mehr denn je gefragt ist. Der große Andrang bei den Themenständen, bei den Beratungen und Vorträgen ist ein klares Indiz für langfristiges Denken und gestiegenes Qualitätsbewusstsein nach dem Motto: „Wenn ich schon baue, dann gescheit“.  

Die erste „funktionierende“ Rettungsgasse Österreichs thematisierte, dass es einiges im Baubereich zu retten gibt. Da wäre einmal die Bauqualität an sich, dann die seriösen Bauunternehmen und nicht zuletzt die Kunden selbst. Wer „Pfusch am Bau“ vermeiden will, ist auf ehrliche und kompetente Partner angewiesen. Die 10 beteiligten Organisationen (IBO, Innovative Gebäude, Wärmepumpe Austria, klima-aktiv, ÖGNB, ENU, Passivhaus Austria, IG Architektur, Arge Erneuerbare Energie und „die Umweltberatung“) legten daher den Schwerpunkt auf „unabhängige“ Beratung in den Bereichen Architektur, Ökologie, Energie, Baustoffe und Qualitätssicherung. Weiters nutzten einige innovative Unternehmen wie Europerl, Solavolta und Winterface die Gelegenheit Ihre Produkte zu präsentieren.

Ganzheitlichkeit ist mehr als Energieeffizienz

Die IG Passivhaus hat sich im Jahr 2013 in Plattform Innovative Gebäude umbenannt, weil der Passivhausstandard weitgehend bekannt und akzeptiert war. Was fehlte war die ganzheitliche Betrachtung des Bauens, weshalb die sechs Säulen innovativer Gebäude nun Aspekte wie Gesundheit, Komfort, Architektur und Umwelt gleichwertig betrachten. Ganz bewusst, schreibt die IG nicht einzelne Technologien vor, sondern sieht die Zukunft in einem ausgewogenen Verhältnis von Ökonomie, Ökologie und sozialer Qualität.

Das Match lautet also nicht „Ökonomie gegen Ökologie“. Gesellschaftliches Ziel muss sein, die Ökonomie zu ökologisieren. Dafür braucht es innovative Unternehmen und ernsthafte Beratung. Die Plattform Innovative Gebäude versteht sich als österreichweiter Zusammenschluss von Bauexperten, Bauwirtschaft, Industrie und Forschung mit dem klaren Ziel, der ganzheitlichen Betrachtung des Bauens zum Durchbruch zu verhelfen.

Fallstricke gibt es zu Hauf:

  • Eine doppelt so haltbare Dachabdichtung wird zugunsten jener, die gerade mal die Mindestanforderung der Normen erfüllt, nicht verwendet, weil sie etwas mehr kostet.
  • Einer billigen Stromdirektheizung wird der Vorzug gegenüber einer viermal so effizienten und damit im Betrieb viel billigeren Wärmepumpe gegeben.
  • Verkäufer werden als Berater bezeichnet. Wenn ich in ein Autohaus gehe, erhalte ich keine Beratung, sondern es wird mir etwas verkauft. „Unabhängigkeit“, wichtigste Voraussetzung für echte Beratung, darf ich da nicht erwarten.
  • Produktbroschüren enthalten blumige Werbebotschaften anstatt harter Fakten. Die Anbieter von Bauleistungen scheuen oft, Qualität klar zu benennen und auch nachzuweisen. Konsumenten scheuen oft, Qualität aktiv einzufordern und Nachweise zu verlangen.

Die Vision für eine ganzheitliche Baukultur

Mehr denn je, wissen wir als Gesellschaft heute, dass kurzfristiges gewinnorientiertes Handeln uns langfristig nicht überleben lässt. Trotzdem hat es den Anschein, dass das Ziel einer CO²-neutralen Gesellschaft nicht ernst genommen wird. Selbst reiche Länder wie die westeuropäischen Staaten sind weit weg von dem notwendigen Pfad, um ein Kippen des weltweiten Klimas mit unabsehbaren gesellschaftlichen Folgen bis zur Mitte dieses Jahrhunderts zu verhindern. Kopf in den Sand stecken wird aber leider nicht helfen. Und jeder trägt Verantwortung.

Ökonomische, ökologische und soziale Nachhaltigkeit als Gestaltungsprinzip

Jedes neue Produkt und jedes neue Gebäude sollte nach den Prinzipien der Nachhaltigkeit bewertet werden. Schon heute ist in manchen Bauordnungen oder Förderregelungen der Nachweis des Einsatzes hocheffizienter alternativer Systeme oder die Verpflichtung für den Einsatz solarer Energiesysteme enthalten. Diese oft als Schikane empfundenen Nachweise werden von den Mitgliedern der IG als Chance betrachtet, die jeweils langfristige beste Technologie zum Einsatz zu bringen.

Qualitative Sanierung statt Neubau

Laut Medienberichten ist das verfügbare Bauland in Wien in 15 Jahren verbaut. Dann wird es darum gehen, den Bestand bestmöglich zu sanieren. Halbherzige Sockelsanierungen zementieren einen suboptimalen Zustand für Jahrzehnte in die Zukunft. Jegliche Sanierungsmaßnahmen sollen daher nach den Kriterien der Nachhaltigkeit bewertet werden. Vielleicht denkt man dann länger darüber nach, ob der Abriss eines 30 Jahre alten Bürogebäudes und die Vernichtung der darin enthaltenen Energie wirklich notwendig und sinnvoll ist. Bewertungstools wie klima-aktiv ermöglichen heute die ganzheitliche Bewertung von Gebäuden.

Architektur nicht mehr Spielball kurzfristiger ökonomischer Interessen

Heute dient Architektur oft der hilflosen Behübschung gemäß der vorgegebenen Maxime der maximalen Ausnutzung zum geringstmöglichen Preis. Architektonische Qualität muss von Architekten erkämpft werden, von einem gemeinsamen verantwortlichen Handeln von Bauträgern und Planern ist meist nichts zu merken. Dass Energieeffizienz und Ökologie kein Widerspruch zu guter Architektur sind, ist zur Genüge durch ausgezeichnete Bauten weltweit bewiesen. Wer Das nicht glaubt, hat sich wohl nicht mit modernem Bauen geschweige denn Bauphysik befasst.

Fossile Energien zerstören die gesellschaftliche Stabilität

Gemäß dem internationalen Klimaabkommen von Paris müssten wir es weltweit schaffen, bis zum Jahr 2040 eine CO²-neutrale Gesellschaft aufzubauen. In 20 Jahren dürfte es also nur mehr energieneutrale Gebäude und ökologische Kreislaufwirtschaft geben. Dass die Einführung neuer Techniken in einer solch kurzen Zeit möglich sind, zeigt z. B. die Einführung des Smartphones, das unser Leben revolutioniert hat. Ein ähnlicher Wandel zu einer vollsolaren Gesellschaft ist bei entsprechendem Willen also auch möglich. Gebäude sollten dafür heute bereits entsprechend effizient geplant sein.

Wandel erfordert Bewusstsein

Die Plattform Innovative Gebäude steht für den Wandel zu einer ökologischen Kreislaufwirtschaft als Grundlage für eine nachhaltige Sicherung unserer sozialen und ökologischen Lebensgrundlagen. Jedes einzelne Mitglied, jedes Mitgliedsunternehmen trägt das Bewusstsein und die Botschaft dieses notwendigen Wandels hinaus. Auf unternehmerischer Ebene bemüht sich die Wirtschaft um nachhaltige Lösungen und Produkte. Auf politischer Ebene tragen die Mitglieder dazu bei, dass die richtigen Weichen gestellt werden. Durch enge Vernetzung der Aktivitäten in ganz Österreich und mit kooperierenden Organisationen vervielfältigt sich die Wirksamkeit der Botschaft vom ganzheitlichen Bauen.

Nächste Veranstaltung zum Thema ist der PLANERTAG, das Pre-Event zur internationalen Passivhaustagung am 27. 4. 2017 im Kuppelsaal der TU-Wien. Information und Anmeldung unter http://www.cvent.com/d/35qjdx

 

DI Heinrich Schuller
creative director
ATOS
ARCHITEKTEN

Architektur mit Leib und Seele
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Plattform innovative  gebäude ; Staatlich befugt und beeideter Ziviltechniker; Inst. f. Baubiologie u. Ökologie, Bau-Energie-Umwelt-Cluster NÖ; Mitglied Austrian Strawbale Network; klimaaktiv-Kompetenzpartner

last update 16.08.2017